über mich

Die Geschichte von Herbivor und mir

Meine Mutter war Köchin. Daher bin ich quasi in der Küche aufgewachsen und hab von klein auf geschält, geschnitten, geröstet und was man sonst eben alles in so einer Küche macht. Ich wollte eigentlich meine ganze Kindheit über Koch werden, bis ich dann im letzten Hauptschuljahr tatsächlich vor die Wahl gestellt wurde. Wegen den schlechten Arbeitszeiten und dem niedrigen Gehalt hab ich mich dann spontan dazu entschieden, meinen Arbeitsalltag doch nicht in der Küche, sondern in Büros als Elektroniker zu verbringen – ich hab mich für die HTL angemeldet.

Als ich 17 war, wollte ich in der Schule ein Referat zum Thema Umweltschutz machen, weil es ein Thema war (und noch immer ist), dass mir unter den Nägeln brennt. Nach einer Woche der Recherche und des Textens ist es dann ein Referat zum Thema Fleisch und aus mir ein Vegetarier geworden. Ich bekam zwar nur eine 4-, aber es sollte mein Leben für immer verändern.

Direkt nach der Schule habe ich dann angefangen mich zu 100% vegan zu ernähren. Damals am Land war das keine Kleinigkeit. Jedes Essen mit neuen Leuten fühlte sich nun wie ein kleines Coming-Out an. Das mit dem Fleisch haben irgendwie noch manche verstanden, aber warum man auch auf Milchprodukte und Eier verzichten sollte (auch wenn sie einen garnicht schmecken) war allen zu verrückt.

Nach meinem Zivildienst bin ich nach Wien gezogen und alles wurde einfacher. Vegane Supermärkte, Vegane Restaurants, Vegane Gewandgeschäfte. Paradiesische Zustände für einen Veganer vom Land.

Nach zwei Jahren als Elektroniker war das Feuer für meinen Job erloschen und ich wollte etwas neues, etwas „grünes“ machen. Gemeinsam mit einem Freund startete ich den veganen online-Lieferservice Herbivor.

Über diese Website haben wir mittels Onlineshop jeden Tag ein anderes Menü angeboten. Wir sind jeden Tag um 6 Uhr morgens in einer angemieteten Küche gestanden und haben das Essen dann mittels Fahrrad und Fahrradanhänger ausgeliefert. Nachmittags haben wir dann wieder Bestellungen aufgenommen, Rezepte kreiert, an der Website gefeilt oder uns eine neue Werbekampagne überlegt.

Es war eine wahnsinnig intensive Zeit mit viel Spaß, viel Arbeit, vielen Hochs und vielen Tiefs und vor allem vielen Erfahrungen. Nach einem halben Jahr Herbivor haben wir beschlossen aufzuhören. Das hatte mehrere Gründe. Ich konnte es mir nun endlich leisten zu studieren. Die Zusammenarbeit hat nicht mehr so gut funktioniert. Der Umsatz ist eingebrochen.

Heute blicke ich mit einem lachendem Auge zurück an diese wunderbare Zeit, in der ich so viel gelernt habe und freue mich über die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben haben. Ich mache mein Traumstudium, arbeite hin und wieder als Koch in einem veganen Restaurant und wenn es sich ausgeht, mache ich auch noch die eine oder andere Website.